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Wo Licht ist, muss auch Schatten
sein, wird Müller gerne mit einer sprichwörtlichen Redewendung
zitiert, wenn es um seine Einschätzung eines gleichmäßig hohen
künstlerischen Niveaus in seinem wie im Werk seiner Künstlerkollegen geht.
Licht und Schatten liegen dann aber tatsächlich auch in Müllers Malkunst
eng beieinander.
Insbesondere in der Bildgattung des Stilllebens hat Müller erhebliche
Qualitätsschwankungen für sich akzeptiert.
Im Stillleben, das Müller erst in der finsteren Zeit der
Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft so richtig
intensiv für sich entdeckte, rang er unablässig um eine idealtypische Vereinigung von Form und Gehalt. In keiner anderen Bildgattung arbeitete
er thematisch so differenziert und interessierte er sich derart umfassend
für die Geschichte des Sujets. Die frühen, farbig sehr erdig und tonig
gehaltenen Stillleben orientieren sich an den ersten Stillleben Paul
Cézannes. Bis zum Schluss zitierte Müller in seinen Stillleben gerne aus
Cézannes Motivschatz oder aus dem der Impressionisten.
Dabei schien er nach 1930 erst einmal die historischen Entwicklungsstufen
der Stilllebenmalerei |
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durchlaufen zu wollen. Das ab
dem 17. Jahrhundert von den Niederländern am Kunstmarkt als
autonome Bildgattung etablierte Stillleben wurde sehr schnell nach den
jeweiligen Bildgegenständen in einzelne Bildgruppen einsortiert. Fische-
und Muschelstillleben, Früchte- und Blumenstillleben, Tier- und
Jagdstillleben oder die gedeckte Tafel, Musikinstrumente und reine
Vanitas-Motive waren mit einem Mal die tausendfach bei den Malern
nachgefragten Bildinhalte.
Müller begann die Stilllebenmalerei Anfang der 1930er Jahre mit den
einfachen Motiven von Früchten und irdenem Geschirr. Bald schon entdeckte
er aber sein Talent für die Blumenmalerei.
1939 malte er seine Frau in einem ihrer selbst entworfenen Abendkleider.
Der mit einem üppigen Blumendesign bedruckte Brokatstoff dieses Kleides
war eine vollends neuartige Herausforderung an den Maler. Später hat er
sich nie wieder mit einer solchen Sorgfalt und Ausdauer an der
Sinnlichkeit des darzustellenden Materials und an seiner in der
Darstellung bewusst angestrebten täuschenden Echtheit abgearbeitet.
In der Folge betrachtete Müller jedoch die Buntfarben in der Malerei als
Synonyme zur Blütenpracht in der Natur. |